Heilansatz

Wenn du dir deine Seele wie ein Puzzle aus vielen unterschiedlichen Aspekten vorstellst, so geschieht es oft in der Kindheit, dass einzelne Puzzleteile zum Beispiel durch Trauma und Schock verloren gehen. Andere Ressourcen gehen bereits einfach dann verloren, wenn wir spüren, dass bestimmte Eigenschaften unserer Ganzheit in der Kindheit nicht angenommen, ignoriert oder abgewertet werden. Hier beginnt unsere innere Trennung.

Um als Kinder emotional und physisch überleben zu können, entwickeln wir nun konditionierte Eigenschaften, die dafür sorgen sollen, angenommen und geliebt zu werden. So kann zum Beispiel aus einem abgelehnten wilden, lebensvollen Kind - ein akzeptiertes nettes und braves Kind werden. Aus einem magischen Wesen, ein Manipulierendes. Aus einem starken Kind, ein nachgiebig Schwaches. 

Während wir in unserer Ganzheit noch in der Lage waren, mühelos aus einer inneren Hingabe heraus zu agieren (wie auch die Hunde das tun), strengen wir uns nach unserer Spaltung ein Leben lang an, um die antrainierten Eigenschaften zu bewahren, von denen wir meinen, sie brächten uns Sicherheit und gesellschaftliche wie persönliche Anerkennung. Nach einiger Zeit, glauben wir selbst das zu sein, was wir unsere Persönlichkeit nennen. Dieser aus tiefer innerer Not heraus gewählte (Aus)Weg der weder Seelen-noch Körperfrieden, weder Lebensfreude noch Selbstwertgefühl bringen kann, erlaubt es uns nicht - uns wert zu schätzen oder etwas mit Freude anzunehmen. Das liegt darin begründet, dass alle Persönlichkeitsanteile die wir uns antrainiert haben, um gemocht zu werden, nun auch die Eigenschaften ablehnen, die wir aus unserem Wesenskern abgespalten haben, wenn diese von den Eltern, anderen Bezugspersonen, Kindergarten, Schule ect. abgelehnt wurden. Ein Kind spürt, dass es emotional nur überleben kann, wenn es Wertschätzung und Liebe anstrebt. Deshalb finden wir zu diesem Überlebensprogramm der Spaltung. Dieses Programm kann weder weg überzeugt, noch durch Begreifen oder Affirmationen langfristig umprogrammiert werden. Es geht vielmehr darum, beiden Seiten in uns eine Möglichkeit des Ausdrucks und der vollkommenen Annahme zu verschaffen. 

Hunde verfolgen in der Begleitung ihres Menschen kein festgesetztes Ziel. Sie stehen ihm in jedem Prozess bei, der gerade stattfindet. 

Deshalb besitzen sie eine unglaubliche Geduld im Umgang mit einem Menschen. Hunde begleiten uns loyal und treu, egal in welchem Prozess wir gerade sind und wie lange er dauert. Ihre Reaktionen auf uns sind oft Wegweiser auf die abgespaltenen oder konditionierten Aspekte. Fast alle Hunde, die ich gemeinsam mit ihren Menschen kennen lernen durfte, drückten mit einem oder mehreren Verhaltensweisen eine unbewusste Seite ihres Menschen aus, die von diesem gehört und ausgedrückt werden sollte. 

 

Ausnahmen sind Hunde, die selbst bereits so dressiert sind, dass ihnen ein eigener Ausdruck nicht mehr möglich ist. Das gilt auch für Menschen-Therapeuten, die aus ihren konditionierten Fähigkeiten heraus wirken, in der Hoffnung, so Wertschätzung und Liebe zu erlangen. Auch sie werden die Dynamik in dem Menschen, den sie begleiten, nicht auflösen können, wenn sie selbst noch in ihr feststecken. Sie können jedoch im besten Falle die Haltung vertreten, dass nur die Seele des Betroffenen wissen kann, was zu ihr passt und was nötig ist. Teilen Therapeuten ihre Lösungen mit, konditionieren sie den Klienten weiter zu etwas, was sie/er gar nicht ist. Um dem Therapeuten zu genügen, bemühen sich viele Klienten die Lösungen/Methoden des Therapeuten umzusetzen, um die 

Anerkennung zu erhalten, nach der sie sich sehnen.

Wenn auch der Therapeut aus diesem Hintergrund heraus arbeitet und eigene Aufwertung sein unbewusstes oder bewusstes Motiv ist, sitzen sich zwei Kinder gegenüber, die gemocht werden wollen und der Klient erfährt nichts von seiner eigenen Kraft und wie er/sie Zugriff darauf erhält.
 

Therapeuten und Heiler können eine Bühne erschaffen, auf der sich das innere Wissen des Betroffenen zeigen kann. 

Auch diese Herangehensweise leben uns die Hunde vor.

In einem Experiment 2015 stellte ich mehrere Hunde, die sich zuvor nicht kannten, für eine Woche in Gruppen zusammen. Bei der Auswahl achtete ich auf viele Aspekte, die jetzt zu weit führen würden. Ein Aspekt war - in der Gruppe der Unterstützerhunde waren ausschließlich authentische Hunde. Das Experiment beinhaltete, zu beobachten, ob und wie sie einem Hund helfen könnten, der durch Trauma oder Dressur keinen Zugriff mehr auf seine natürlichen Ressourcen und damit auf seine innere Kraft hat. In allen Sequenzen schafften die Hunde Räume und Situationen in denen Veränderung für den betreffenden Hund stattfinden konnte. Sie veränderten nie gezielt ein Symptom. Die Anregungen, die sich täglich durch die Aktionen der Hunde einstellten, waren so beeindruckend, dass sich ein Jahr später bei einem Vortrag vor einhundert Ärzten und Therapeuten in Bielefeld, diese mit der Videoauswertung der Veranstaltung befassten, um Inspirationen für ihre Arbeit zu gewinnen.

 

Sei behütet
Maja