Ein Hund für das Ich

Vertrauen und Ankommen

Identität durch ein Gegenüber

Wir Menschen erkennen uns nur in einem Gegenüber. Ohne ein Du finden wir nicht zum Ich. Wir benötigen die Antworten eines anderen auf uns, um uns unsere Identität zu erschließen. Haben wir in der Kindheit keine angemessenen Reaktionen auf uns erlebt, bleiben wir uns oft selbst ein Rätsel. Wir gehen dann auf eine lebenslange Suche nach einem solchen Du, mit dem wir in uns selbst ankommen dürfen. Wir alle erleben zwar oft, dass Menschen uns unser Verhalten zurückwerfen, doch nur selten erleben wir eine vollständige Annahme darin.

Annahme durch einen Hund
Damit meine ich nicht, andere sollten mit allem einverstanden sein, was wir tun. Kritiklosigkeit, Verherrlichung oder Bagatellisierung lassen uns genauso allein, wie eine harsche Distanzierung und Abwehr. Ich meine eine Form der Annahme, die ich zum Beispiel durch Hunde erfahre. Jeder, der mit einem Tier lebt, wird ahnen, wovon ich spreche. Auch Tiere drücken deutlich aus, welche unserer Handlungen sie ablehnen und welche sie mögen. Dennoch lehnen sie uns im weiteren Verlauf nicht als Person ab und sie mögen uns auch nicht nur wegen bestimmter Handlungen. Sie bestätigen uns durch ihre ehrlichen Reaktionen in unserem Sein und wir können uns darin erkennen, ohne befürchten zu müssen, ihre Zuneigung zu verlieren.

Die Wand zwischen dir und deinem Hund

Dass wir diese Furcht dennoch auch auf den Hund beziehen, hat eher mit uns zu tun. Wir tragen oft eine tief empfundene Scham in uns, wenn wir als Kind nicht ausreichend Annahme erfahren haben für unser Sein. Die Enttäuschung dieser Urerwartung nach Liebe führt bei einem Kind oft zu der Annahme, falsch zu sein, weil es seinen Urinstinkt nach Liebe ja nicht in Frage stellen kann. Aus dem Gefühl heraus, falsch zu sein, erwächst die Scham. Ein Hund spürt sie wie eine energetische Wand zwischen sich und seinem Menschen. Er kann mit dieser Schamwand jedoch nichts anfangen, denn er selbst kennt nur eine gesunde Scham, die für Verbindung sorgt, statt für Trennung. 

Die gesunde Scham, zeigt sich bei Hunden zum Beispiel, wenn ihnen etwas nicht gelingt oder sie bemerken, dass sie über ein Ziel hinausgeschossen sind. Gesunde Scham ist eine unbedingte Hilfe für den Umgang miteinander. Sie macht uns auf unser soziales Verhalten aufmerksam und ermöglicht uns Selbstreflexion. 

Die Scham, von der ich spreche, ist eine toxisch gewordene Scham. Eine, die uns inzwischen dauerhaft begleitet, weil wir keine Entlastung von ihr finden. Nur die Annahme durch die Hunde kann uns jedoch nicht vollständig davon befreien. Für diese Entlastung braucht es auch andere Menschen und die eigene innere Bewusstheit, ein natürliches Anrecht auf das eigene Sein zu haben. Hunde können uns jedoch einen Anker für unser Selbst geben. Etwas, wo wir überhaupt erst einmal starten können, weil es schwer ist, einen reifen, zur Annahme fähigen Menschen in einer Gesellschaft zu finden, die eher das Gegenteil fördert.

Was Hunde und Kinder wollen

Hunde und kleine Kinder wollen keine perfekten Halter oder Eltern. Sie fühlen sich wohl mit ehrlichen Partnern, die ihre Kritik und Liebe ernst nehmen wollen.